2015---Ägypten--Götter








Ägyptische Mythologie

Die ägyptische Mythologie war untrennbar
mit der altägyptischen Astronomie sowie der altägyptischen Religion
als Einheit verbunden. Hier ist insbesondere das Nutbuch zu nennen,
das die wichtigsten mythologischen Vorstellungen vereint.
Die mindestens fast dreitausend Jahre andauernde Tradierung
beweist das Festhalten an den mythologischen Vorgaben
des Nutbuches während der altägyptischen Geschichte.










Schöpfungsmythen
In der ägyptischen Mythologie existiert kein einheitlicher Schöpfungsmythos.
Die wichtigen ägyptischen Kultzentren Heliopolis,
Hermopolis magna und Memphis entwickelten unterschiedliche Kosmogonien
und Theogonien.









Neunheit von Heliopolis
Die Priester der Stadt Heliopolis, das Hauptzentrum des Sonnenkultes,
richteten die Schöpfungsgeschichte ganz auf den Sonnengott Atum
als Vater der Götter aus. Er und acht seiner Nachkommen bildeten
die Neunheit von Heliopolis. Im Moment der Schöpfung soll Atum,
der Selbstentstandene, aus der Urflut geboren worden sein.













Durch seine Schöpfungskraft erhob sich aus dem Urgewässer ein Hügel
(Urhügel, vgl. auch Benben), so dass Atum das erste Land betreten konnte.
Daraufhin sei er zur Quelle aller weiteren Schöpfungen geworden.
Er brachte aus seinen Körperflüssigkeiten seine zwei Kinder Schu,
den Gott der Luft, und Tefnut, die Göttin der Feuchtigkeit, hervor.









Dieses Paar wiederum gebar eigene Kinder, Geb, den Gott der Erde,
und Nut, die Göttin des Himmels. Diese ersten drei Generationen stellen
in der Enneade die Grundelemente der Schöpfung dar. Geb
und Nut zeugten die Urenkel des Atum, die Gottheiten Osiris
und Isis und das Paar Seth und Nephthys, die im Schöpfungsmythos
das fruchtbare Nilschwemmland und die umgebende Wüste repräsentieren.












Achtheit von Hermopolis
Im Gegensatz dazu steht der ältere Schöpfungsmythos der Stadt Hermopolis.
Dieser sieht als Ursprung der Schöpfung acht Urgötter,
die Ogdoade von Hermopolis (griech. Achtheit).
Diese Achtheit besteht aus vier Paaren von je einer männlichen
und einer weiblichen Gottheit, die jeweils ein Element der Schöpfung symbolisierten.











Nun und Naunet stellten das Urgewässer dar, Huh und Hauhet die Endlosigkeit des Raums,
Kuk und Kauket die Urfinsternis. Das vierte Paar wurde mehrfach ausgetauscht,
bestand aber ab dem Neuen Reich in Amun und Amaunet,
die die Unsichtbarkeit und die Luft symbolisierten.
Diese Gottheiten waren nach dem hermopolitanischen Schöpfungsmythos die Mütter
und Väter des Sonnengottes. Dieser habe das Licht in die Welt
und damit den Beginn aller weiteren Schöpfungen gebracht.










Memphitische Theologie
Eine weitere Schöpfungsgeschichte hatte ihren Ursprung
in der Stadt Memphis. Die memphitische Theologie stellte den Stadtgott Ptah,
den Gott der Handwerker und Baumeister, ins Zentrum des Schöpfungsmythos.
Sie verweist auf den heliopolitanischen Mythos, wandelt ihn jedoch dahingehend ab,
dass der Gott Ptah dem Sonnengott vorausgehe
und diesen durch seine Zunge und sein Herz geschaffen habe.
Die Memphitische Theologie ist die früheste bekannteste Theologie,
die auf dem Prinzip des Logos beruht: der Schöpfung durch das Wort und die Rede.











Das Weltbild
Literarische Quellen[1] erzählen uns von dem Weltbild der Ägypter der Antike,
vom Aufbau Ägyptens, vom Leben und Glauben dieses Volkes.
Die damaligen Ägypter sahen die Welt als eine große Scheibe,
die vom Fluss Nil durchzogen wurde und das Land in zwei große Teile trennte.










Diese Scheibe stellte die Oberwelt dar, in dessen Mitte die Menschen am Nil lebten.
Die Oberwelt wurde von vier Säulen von gigantischen Ausmaß an jeder Ecke der Erdscheibe gestützt.
Unter der Erde lag die Unterwelt, welche ein Spiegelbild der Oberwelt war.
Das Himmelsgewölbe wurde von dem überdimensional großen Körper der Göttin Nut dargestellt.
Ihre Statur war riesig und mit ihren Gliedmaßen, die den Ägypter endlos lang erschienen,
stützte sie sich im Westen und Osten auf die Erde.











Die Erde wurde von Westen nach Osten mit einer dünnen Linie durchzogen.
Diese Linie stellte den himmlischen Nil-Fluss dar, auf welchen am Tage die Sonne
und in der Nacht die Sterne wanderten. Einem Mythos[1] zufolge,
verschluckte die Göttin Nut jeden Abend die Sonne
und gebar sie am nächsten Tag erneut.











So sorgte Nut in den Augen des Volkes für den Ablauf des Tageszyklus.
Da nach dem ägyptischen Glauben Ägypten im Mittelpunkt der Oberwelt lag,
teilten sie die restlichen Gebiete der Erde in vier große Bereiche ein.
Im Norden waren die Hethiter, die Hyksos
und noch einige kleinere See-Völker beheimatet.









Südlich lag Nubien, welches die Ägypter in Obernubien (weiter südlich)
und Unternubien (im Norden) teilten. Hinter Nubien befanden sich die Wüsten Afrikas,
welche zur Zeit der Pharaonen weitestgehend unbekannt waren
und der Osten grenzte an das Rote Meer.
Westlich des Landes befand sich die libysche Wüste,
hier lebten nur wenige Beduinen unter harten Lebensbedingungen.








Weitere Mythen

→ Hauptartikel: Osirismythos
Die vierte Generation der heliopolitanischen Neunheit
war zugleich der Ursprung einer weiteren prägenden Legende
in der ägyptischen Mythologie.








Seth, der seinen Bruder Osiris hasste, ersann eine List,
um ihn zu töten. Er besorgte sich die Körpermaße seines Bruders
und lud ihn zu einem Fest ein, bei dem er eine Kiste präsentierte,
die er demjenigen zum Geschenk machen würde,
der sich genau hineinlegen könnte.









Alle Gäste probierten es aus, doch nur Osiris passte hinein.
Als der nun in der Kiste lag, verschloss Seth diese sofort
und umgab sie mit einer Bleischicht,
damit sein Bruder nicht entkommen konnte.
Dann versenkte er die Kiste im Nil.








Osiris' Frau Isis, die gerade schwanger war,
konnte aber zu der Zeit nicht gegen Seth kämpfen,
so dass dieser die Macht über die ganze Welt an sich riss.
Isis brachte ihren Sohn Horus geheim zur Welt
und ließ ihn in einem Körbchen den Nil hinab treiben (siehe auch Mose),
da sie Angst hatte, dass Seth auch ihn ermorden würde.
So wuchs Horus bei Menschen auf, die ihn am Nilufer fanden.









Währenddessen suchte Isis ihren Mann Osiris.
Kinder berichteten ihr von der Tat des Seth.
Bis nach Byblos konnte Isis die Spur der Kiste verfolgen,
wo diese in einen Baumstamm eingeschlossen worden war,
den der König Melkart in seinen Palast als Pfeiler integriert hatte.







Isis verdingte sich am Hofe des Königs als Dienerin
und gewann so das Vertrauen der Königin.
Nachdem sie sich ihr offenbarte, überredete die Königin ihren Mann,
die Kiste freizugeben. So konnte Isis den Leib von Osiris
wieder nach Ägypten bringen und ihn dort durch mächtige
Zaubersprüche wieder ins Leben zurückholen.








Seth blieb die Wiedererweckung des Osiris nicht verborgen.
Mit seiner ganzen Macht, die ihm nun innewohnte,
tötete er Osiris erneut und verteilte den Leichnam
über das ganze Land. Isis, im erneuten Versuch,
ihren Mann zu retten, sammelte alle Teile ein,
um ihn wieder erwecken zu können.
Sie musste allerdings feststellen,
dass ein Krokodil den Phallus ihres Gatten gefressen hatte
und sie nicht im Besitz aller Teile war.
Der Versuch, den fehlenden Phallus
durch eine Holzkopie zu ersetzen, schlug fehl.








So wurde Osiris nicht wiedererweckt und avancierte zum Herrscher
über das Totenreich. Seth aber konnte seine Herrschaft
über Ägypten und die Welt weiter ausbauen.









Der Krieg der Götter
Horus, der bei den Menschen aufgewachsen war,
erfuhr nun von seiner göttlichen Herkunft und wer seine Eltern waren.
So sann er auf Rache gegen Seth und begann einen grausamen Feldzug gegen ihn.
Zu Beginn dieses Kampfes hatte er noch zahlreiche Verbündete,
wie beispielsweise Nephthys, die ehemalige Gemahlin des Seth,
Thot und Anubis, sowie natürlich seine Mutter Isis.








Als Isis jedoch Kriegsgefangene ihres Sohnes befreite,
reagierte dieser so bösartig, dass er ihr den Kopf abschlug.
Thot konnte durch seine heilenden Kräfte zum Glück deren Tod verhindern,
aber nun wandten sich alle übrigen Götter von Horus ab.










Die leidtragenden im großen Götterkrieg waren die Menschen,
denn sie bildeten die Truppen, die Horus und Seth gegeneinander schickten.
Horus griff Nubien an, das Land, in dem Seth herrschte,
und konnte mit seinen besonders ausgerüsteten Kriegern,
den Mesinu, fast das komplette Heer des Seth besiegen.
Als Seth dies sah, griff er selbst in den Kampf ein.
Doch das Duell mit Horus endete in einem Unentschieden.
Nubien fiel aber trotz alledem in den Herrschaftsbereich des Horus.









Das Horus-Auge
Im Verlauf des Kampfes zwischen Seth und Horus wurde Horus
ein Auge ausgestochen, das jedoch von seiner Mutter Isis geheilt wurde.
Oft ist jedoch auch Thot als Retter angegeben,
da es sich bei dem verletzten Auge um das linke
und damit das Mondauge handelte.
Somit wurde es zu einem Symbol für Heilung
und Schutz vor Gefahr.








Das Udjat-Auge wurde seit dem Alten Reich
als Amulett verwendet.
Das Auge des Horus findet bis heute Verwendung
bei Schiffen die den Nil befahren.
Es wird vorne am Bug auf beiden Seiten aufgetragen.








Die Reichsteilung
Re, der die Verwüstung der Welt kommen sah,
da keiner der beiden bereit war die Kriegshandlungen einzustellen,
rief alle anderen Götter auf zu beraten, wer von den beiden denn nun der Pharao
über die Welt sein sollte.







Doch die Götter konnten sich nicht einig werden.
Also riefen sie Neith, die Göttin der Weisheit an,
eine Entscheidung zu treffen. Neith entschied sich für Horus,
aber Seth wollte sich damit nicht zufriedengeben
und entfachte den Krieg aufs Neue.







Schlussendlich sollte Osiris, der Regent der Unterwelt,
entscheiden. Dieser verlangte darauf hin von allen Göttern
die Entscheidung der Neith zu akzeptieren.









Damit wurde die Welt geteilt. Horus herrschte ab sofort
über das schwarze Land Ägypten und Seth bekam
als neues Reich das rote Land, bestehend
aus der lebensfeindlichen Wüste zugeteilt.








Die Vernichtung der Menschheit
Es gab eine Zeit, in der die Götter mit den Menschen zusammen
auf der Erde lebten und Re sowohl König der Götter als auch König der Sterblichen war.
Nachdem Re jedoch alt und schwach geworden war,
versuchten nicht nur die Götter daraus Vorteile zu ziehen.









Auch die Menschen bemerkten Res Schwäche und verbündeten sich gegen ihn.
Doch Re wusste von der gegen ihn geplanten Verschwörung
und rief alle Götter zusammen, um zu beraten,
wie der Aufstand niedergeschlagen werden könne.
Die Versammlung fand heimlich statt, da die Menschen nicht erfahren durften,
dass ihre Verschwörung entdeckt worden war.









Die Antwort der Götter war einstimmig und Nun sprach für alle Götter:
Sein Sohn Horus solle auf dem Thron bleiben und er solle sein Auge,
das sogenannte Auge des Re, in Gestalt der Göttin Sachmet,
zu den Menschen schicken, um sie zu vernichten.[2][3]
Re war mit dem Rat der Götter einverstanden,
seine Tochter Hathor in ihrer Verkörperung
des unbezähmbar Bösen zu schicken,
damit sie den Sterblichen eine Lektion
erteilen könne.








Nach der Verwandlung in die wilde Löwengöttin Sachmet,
begab sie sich unter die Menschen und begann das Gemetzel:
Alle Lebewesen, die ihr in den Weg kamen, schlachtete sie systematisch ab.
Doch als Re das erblickte, bekam er Mitleid mit den Menschen und sah,
dass das Schlachten zu weit ging.







War aber einmal die zerstörerische Kraft der Sachmet entfesselt,
war es schwierig ihr Einhalt zu gebieten. Und so ersann Re eine List:
Tausende Krüge Bier wurden herbeigeschafft
und deren Inhalt mit Hämatitstaub rot gefärbt.[3]








Die Bierkrüge wurden auf einem Feld,
von dem die Götter wussten,
dass es bald von der Rasenden heimgesucht werde,
ausgeschüttet.







Der Anblick versetzte Sachmet erneut in Raserei,
da sie es für Menschenblut hielt und schlang gierig
den ganzen See hinunter. Dadurch war sie so betrunken,
dass sie unfähig war, die Menschen zu erkennen
und war deshalb für sie keine Gefahr mehr.







Re war nach alldem so niedergeschmettert,
dass er sich von der Welt zurückziehen wollte.
Er stieg auf den Rücken der Nut in Gestalt einer Kuh
und ließ sich von ihr in den Himmel tragen.
Die anderen Götter klammerten sich an ihren Bauch und wurden
auf dem Weg in den Himmel zu Sternen.[2]









Seit dieser Zeit sind sowohl Himmel und Erde als auch die Götter
von den Menschen getrennt und die jetzige
Welt war geschaffen.[2] Wegen des Ritts auf der Himmelskuh ist dieser Mythos
auch als das „Buch der Himmelskuh“ bekannt, der jedoch erst
im Neuen Reich vollständig niedergeschrieben auftritt. So z. B.
im Grab von Sethos I. in einer der Nebenkammern der Grabkammer.


Inhaltlich erinnert die Geschichte an die Bibelerzählung Noahs,
in der ebenfalls die ganze Menschheit durch den Zorn Gottes
vernichtet werden sollte.








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