2012---Resezion: Das Parfum
Selten gelingt die filmische Adaption eines Buches. Deshalb sollte man gerade diesen Film weitestgehend nicht mit dem Buch vergleichen Die geniale Idee des Buches, beschreibt die Obsession von Jean-Baptiste Grenouille, der über den ultimativen Geruchsinn verfügt und den Duft aller Düfte aus dem Geruch von schönen Mädchen extrahieren will. Eigentlich ist es das Buch eines Vergewaltigers und Mörders, nur das statt an stelle der rein sexuellen Obsession eine olfaktoriches bedingten Zwangshandeln Einzug hält. Somit wird Verbrechen zur Erotik, ein Mörder zum Opfer seiner Sinnlichkeit. Das Parfum basiert auf dem gleichnamigen Bestsellerroman von Patrick Süskind und erzählt die Geschichte von Jean-Baptiste Grenouille der im vorrevolutionären Paris des Jahres 1738 auf einem stinkenden Abfallhaufen des Fischmarktes geboren wird und sich – so versprechen uns die einführenden Worte des Prologs – zu einem der genialsten und abscheulichsten Gestalten einer an genialen und abscheulichen Gestalten nicht ahnten Epoche entwickelt. Alle Menschen, die mit dem Jungen in Kontakt kommen, fürchten sich instinktiv vor ihm, denn Jean-Baptiste hat einen entscheidenden Mangel. In einer Welt der Gerüche mangelt es ihm an etwas Identitätsstiftendem: Er besitzt keinen eigenen Körpergeruch. Dafür ist er jedoch mit einer genialen Begabung gesegnet, denn er kann so intensiv wie kein anderer die Gerüche seiner Umgebung wahrnehmen und in seinem Gedächtnis speichern. Nachdem Jean-Baptiste seine Kindheit im Waisenhaus und als geschundener Hilfsarbeiter in einer Gerberei überlebt hat, bringt ihn eine glückliche Fügung mit dem gealterten Parfumeur Baldini zusammen. Während dieser von den genialen Schöpfungen seines Lehrlings profitiert, erlernt Grenouille das Handwerkszeug, das er für die Erfüllung seines teuflischen Plans benötigt: die Jagd nach dem vollendeten Duft, für den Grenouille buchstäblich über Leichen geht. Kritik: Eine schaurige Geschichte über ein großes Scheusal muss sich zuallererst an seiner Hauptfigur messen lassen. Der Grenouille des Romans ist tatsächlich ein echtes Scheusal: niederträchtig, hässlich, ein echter Menschenfeind, der seine glücklichste Zeit erlebt, als er ein siebenjähriges Exil in der totalen Einsamkeit einer finsteren Berghöhle verbringt. Süskind bezeichnet ihn als „zäh wie ein resistentes Bakterium und genügsam wie eine Zecke“. Wir bewahren dieses Bild vor dem geistigen Auge und im Film wird man mit einen Scheusal konfrontiert: ein linkischer, sensibler Junge mit seelenvollen Augen, der zwar mitunter etwas mürrisch dreinblickt, sein erster Opfer aber eher aus Versehen umbringt und in der Folge bei allem schrecklichen Tun kein Frösteln erzeugt wie der teuflische Grenouille des Buches, sondern vielmehr den reflexhaften Wunsch, diesen verträumten Burschen für seine versponnene Obsession ein paar Mal ohne Nachtisch ins Bett zu schicken. Mehr noch, während der Grenouille des Buches seine Mitmenschen verachtet, verrenkt ihn der Film in einer rein spekulativ-schnulzigen Träumerei-Szene zu einem schmachtenden Liebhaber, der auf dem Schaffott seine moralische Läuterung herbeisehnt. Fast hat man den Eindruck, der Film wolle seinem Publikum aus finanziellen Erwägungen nur eine Light-Version eines Scheusals zumuten, um ja niemandem abzuschrecken. Nicht etwa, dass filmische Veränderungen zur literarischen Vorlage ein grundsätzliches Problem darstellen würden, sie sind sogar absolut notwendig und legitim, aber dem atmosphärischen Odeur des Films fehlt, um im Bild zu bleiben, bei aller Duftigkeit der grausige Schrecken und die Doppelbödigkeit von Süskinds Roman. Damit sind die Probleme des Films noch nicht erschöpft. Während Patrick Süskind mit einem äußerst geringen Aufwand – einer zurückgenommenen, sparsam kalkulierten Sprache – ein Höchstmaß an Wirkung erzielt, verliert sich die Verfilmung in einen enormen Aufwand an ihre üppiger Ausstattung, die erlesenen Kostüme, rasante Kamerafahrten und eine fabulös-verspielte Musikuntermalung. Das alles ist manchmal durchaus schön anzuschauen, aber es kommt zu wenig dabei heraus. Die Möglichkeiten, die Imagination des Zuschauers herauszufordern, können nicht damit an ihr Ziel gelangt sein, wenn etwa die sinnliche Überwältigung des Parfumeurs Baldini vor der genialen Schöpfung seines Lehrlings dadurch dargestellt wird, dass er sich in einem idyllischen Garten voller Blumen wiederfindet. Das ist zwar wahrscheinlich die nächstliegende Idee, aber sicher nicht die inspirierteste. Alles in allem ist Das Parfum natürlich kein wirklich miserabler Film, er hat seine Qualitäten und ist sicher mit einem Unmaß an Sorgfalt und Mühsamkeit inszeniert worden, mit aller technischen Könnerschaft absolut sehenswerte, orgiastische Bilderflut, ein Sinnesrausch für Augen und Ohren, . Aber hier liegt auch ein weiteres Problem, denn man merkt dem Film allzu häufig sein Bemühen an, großes Kino zu liefern. Und in diesem Bemühen ist er auf recht hohem Niveau eindeutig gescheitert. Und nichts für strenge Literaten oder andere Puristen. Eine gute Bildliche Darstellung des vor Abfall stinkenden Paris der damaligen Zeit.
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